Unsere Scheibe
Wir haben so eine Scheibe, dass sich die Welt seit 3600 Jahren eine Scheibe davon abschneiden kann, meint die Sachsen-Anhaltinische Fremdenverkehrs-Werbung.

Unser Himmelfahrts-Ausflug startet mit dem Minibus von Wangen zum Fundort der sog. "Himmelsscheibe von Nebra" auf dem Mittelberg. Vor ein paar Jahren war auf der Bergspitze noch Fichtenwald und es gab beeindruckende Hünengräber. Inzwischen ist das Areal abgeholzt und von angesätem Rasen bedeckt, Typ ungepflegter Bolzplatz. Die Hünengräber hat die Denkmalbehörde abgeräumt und durch numerierte Betonscheiben ersetzt.

Raubgräber hatten 1999 mit einer Spitzhacke ein Hünengrab durchwühlt, dabei die rätselhafte Scheibe gefunden und auch gleich beschädigt. Heute prangt an der Fundstelle ein Loch, in das eine gewölbte Edelstahl-Scheibe eingelassen wurde, wie sinnreich.

Der Aussichtsturm ist wirklich schief und innen quietschgelb angestrichen. Von oben hat man an klaren Tagen eine tolle Fernsicht, heute ist gerade mal der Kyffhäuser zu sehen. Und die Beschriftung will den Brocken im Süden verorten, die blanke Irreführung.

Das "Himmelsscheiben-Erlebniscenter" sieht von weitem wie ein illegal entsorgter Röhrenfernseher aus.

Auf dem Rückweg suchen wir eine Abkürzung, geraten auf übel zerfahrene, steile und mit Holzresten bedeckte Waldwege, vergleichen die Strecke mit einem militärischen Gepäckmarsch. Auch Wegweiser scheinen hier noch nicht erfunden worden zu sein. Wir müssen nach Süden, Richtung Unstrut; und die Sonne müsste jetzt im Süden stehen. Doch es ist keine Sonne zu sehen. Ehemalige Mot.-Schützen der ehemaligen NVA der noch viel ehemaligeren DDR wissen immer, wo die Sonne steht, auch wenn sie diese nicht sehen. Dort ist die Sonne und wir marschieren ihr entgegen - aber nicht querfeldein, denn dies ist ein Landschafts-Schutzgebiet, auch wenn es nicht so aussieht. Über einem Hügel mit goldgelbem Rapsfeld kommt der noch viel güldener angepinselte Betonklotz des "Erlebniscenters" in Sicht, wir sind auf dem richtigen Weg. Was sonst, schließlich haben wir eine Scheibe.

Unser Himmelfahrts-Ausflug startet mit dem Minibus von Wangen zum Fundort der sog. "Himmelsscheibe von Nebra" auf dem Mittelberg. Vor ein paar Jahren war auf der Bergspitze noch Fichtenwald und es gab beeindruckende Hünengräber. Inzwischen ist das Areal abgeholzt und von angesätem Rasen bedeckt, Typ ungepflegter Bolzplatz. Die Hünengräber hat die Denkmalbehörde abgeräumt und durch numerierte Betonscheiben ersetzt.

Raubgräber hatten 1999 mit einer Spitzhacke ein Hünengrab durchwühlt, dabei die rätselhafte Scheibe gefunden und auch gleich beschädigt. Heute prangt an der Fundstelle ein Loch, in das eine gewölbte Edelstahl-Scheibe eingelassen wurde, wie sinnreich.

Der Aussichtsturm ist wirklich schief und innen quietschgelb angestrichen. Von oben hat man an klaren Tagen eine tolle Fernsicht, heute ist gerade mal der Kyffhäuser zu sehen. Und die Beschriftung will den Brocken im Süden verorten, die blanke Irreführung.

Das "Himmelsscheiben-Erlebniscenter" sieht von weitem wie ein illegal entsorgter Röhrenfernseher aus.

Auf dem Rückweg suchen wir eine Abkürzung, geraten auf übel zerfahrene, steile und mit Holzresten bedeckte Waldwege, vergleichen die Strecke mit einem militärischen Gepäckmarsch. Auch Wegweiser scheinen hier noch nicht erfunden worden zu sein. Wir müssen nach Süden, Richtung Unstrut; und die Sonne müsste jetzt im Süden stehen. Doch es ist keine Sonne zu sehen. Ehemalige Mot.-Schützen der ehemaligen NVA der noch viel ehemaligeren DDR wissen immer, wo die Sonne steht, auch wenn sie diese nicht sehen. Dort ist die Sonne und wir marschieren ihr entgegen - aber nicht querfeldein, denn dies ist ein Landschafts-Schutzgebiet, auch wenn es nicht so aussieht. Über einem Hügel mit goldgelbem Rapsfeld kommt der noch viel güldener angepinselte Betonklotz des "Erlebniscenters" in Sicht, wir sind auf dem richtigen Weg. Was sonst, schließlich haben wir eine Scheibe.
stulli - 19. Mai, 00:57